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3.4 Ich einfach inspirationalistisch

Lesedauer: 7 Minuten

Zumindest war es bei mir in vielen Fällen so und auch bei anderen Menschen in meiner Umgebung, mit denen ich darüber gesprochen habe. Die Art partnerschaftliche Beziehungen, die ich auf keinen Fall wollte, habe ich alle geführt, doch die, die ich mir von Anfang an ersehnte, steht bisher noch aus.  Das ist nicht schlimm, denn ich fand alle Beziehungen auf ihre Weise toll und ich konnte sehr viel aus jeder einzelnen mitnehmen. Und nun habe ich ganz klar vor meinem inneren Auge und vor allem im Gefühl, welche Art Beziehung ich führen will und wie ich selbst handeln darf, um sie zu ermöglichen.

Auch in Sachen Unfällen und Krankheiten habe ich einiges erlebt. Meistens waren es die kompliziertesten Unfälle ihrer Art und auch meine Form der Sarkoidose mit der begleitenden Diabetes haben nur 3% aller Sarkoidose-Patienten. Bei mir wurde außer der Lunge und einigen anderen Organen auch die Haut – unser größtes Organ – in Mitleidenschaft gezogen. Zum Glück bin ich überall wieder heil herausgekommen, mit kleinen Einschränkungen, an die ich mich gewöhnt habe. Dafür konnte ich feststellen, dass alle Krankheiten und Unfälle nicht so schlimm waren, als meine Ängste mir das vorgegaukelt haben. Es gab einige unschöne Momente und Zeiten, doch es war nicht unerträglich schlimm. So durfte ich meine Ängste hinter mir lassen und wurde innerlich freier und fand immer mehr zu meinem Kern und zum inneren Frieden.

Bisher konnte ich mir jeden Lebenstraum erfüllen, den ich hatte. Insgesamt waren es acht Stück. Jeder barg viele Erfahrungen, die mich bis hierher begleiten und geformt haben. Einige erforderten Arbeit oder Ausdauer, einige erforderten Mut, alle erforderten Handlungen.

Und das ist das Wesentliche, wonach die Seele sich richtet. Du darfst nicht nur wollen oder wünschen, sondern du darfst auch handeln.

Wünsche besitzen wir immerzu viele verschiedene. Die meisten davon aus Launen heraus, die schnell wieder vergehen. Würde uns die Seele alle unsere Wünsche erfüllen, wären wir hilflos überfordert. Also wartet sie ab, welche Wünsche uns wirklich am Herzen liegen, die wir auch verfolgen. Diese Wünsche dokumentieren wir der Seele gegenüber durch entsprechende Handlungen. So funktioniert es nicht nur mit Wünschen, sondern mit allem im Leben. Warum das meines Erachtens so ist, erörtere ich im letzten Teil des Buchs.

Ein Beispiel: Ich führte eine freundschaftliche Beziehung mit jemandem, der meine Gutmütigkeit schamlos ausnutzte. Als ich dahinter kam, beendete ich die Freundschaft und nahm mir vor, solch eine Freundschaft nie wieder zu führen. Sobald ein solcher Gedanke gefasst ist, prüfte die Seele, ob ich es auch ernst meinte. Ich traf auf einen anderen Freund, der zunächst ganz anders zu sein schien, als der vorige. Doch mit der Zeit kristallisierte sich heraus, dass er mich ebenso auf seine Weise ausnutzte. Wieder beendete ich die Freundschaft und der Kreis wiederholte sich noch einmal. So lange, bis ich wirklich bewusst darauf geachtet habe, dass ich nicht wieder an solch einen Menschen geriet. Seitdem habe ich nie wieder jemanden getroffen, der mich ausnutzen konnte, da ich im Vorfeld bereits anders handelte und nicht so viel freiwillig tat, wie früher. Geben und Nehmen sollten sich in jeder Beziehung die Waage halten, sonst gerät sie auf Dauer ins Wanken.

Ein anderes Beispiel: Ich hatte mich durch eine schlechte Investition verschuldet. Diese Investition hätte eigentlich todsicheren Gewinn erbringen sollen, doch es kam ganz anders. Die Aktie stürzte ab und das eingesetzte Geld und sogar noch etwas mehr waren futsch. Eigentlich hätte ich das Geld benötigt und sogar noch etwas mehr. Ich hatte auf Anraten eines Fachmanns wider meinen abratenden Seelenimpuls gehandelt und mir geschworen, dass mir das nie wieder passieren sollte. Natürlich bekam ich fortan immer wieder entsprechende Angebote, lehnte sie jedoch zum Glück ab. Denn diejenigen, die investiert hatten, fielen damit zum Teil viel schmerzhafter auf die Nase.

Eines Tages wünschte ich mir schlagartig mehr Geld. Ich hatte zwar gerade einige Aufträge abgerechnet, jedoch würde das Geld für die Erfüllung meines Wunschs nicht reichen. So sagte ich mir jedenfalls. Also fügte ich dem Wunsch hinzu: ›Egal, wie das Geld zu mir kommt.‹  Wie das mit solchen Wünschen ist, überwies mir eine Firma einen Tag später eine ziemlich hohe Rechnungssumme doppelt. Mir war das unangenehm, deswegen wollte ich dort anrufen und sie über den Irrtum aufklären. Doch das brauchte ich nicht einmal tun, da ein findiger Mitarbeiter den Fehler bemerkt hatte und das zu viel gezahlte Geld zurückrief. Ich hatte schnell für mich herausfinden können, dass mir doch nicht egal war, wie ich an Geld komme. Hätte die Firma ihren Fehler nicht bemerkt, würde die Summe beim Jahresabschluss fehlen. Ganz zu schweigen davon, dass jemand es im Portmonee vermissen würde. Und ich hätte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren können, das Geld zu behalten.

Alles in unserem Leben zielt darauf ab, dass wir Erfahrungen machen und Gewissheit erlangen. Denn das theoretische Wissen um die Dinge wird oft erst wahr, wenn wir die Situationen mitsamt Gedanken und Gefühlen erleben.

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Ein weiterer wichtiger Teil der Funktionsweise des Gesetzes der Anziehung sind Glaube und Vertrauen. Denn nur wenn ich glaube, dass ein Wunsch oder ein Bedürfnis erfüllt werden kann, handle ich überhaupt. Danach darf ich dann auch noch das Vertrauen haben, dass sich der Wunsch auch wirklich erfüllt, denn sonst fehlt mir die Ausdauer, meine Handlungen aufrecht zu erhalten. So lange mir Glaube und Vertrauen fehlen, werde ich nicht genügend unternehmen, damit es real werden kann.

Als ich meinen alten Beruf aufgab, wusste ich, dass ich nie wieder ernsthaft darin arbeiten möchte. Er hat mir nie wirklich gelegen, auch wenn ich gut in dem war, was ich tat. Zunächst sah es so aus, als hätte ich keine Alternative. Immer wieder meldeten sich Firmen, die mich einstellen wollten, aber zu unzumutbaren Konditionen. Ich hätte durch das halbe Land umziehen müssen oder zu wenig zum Leben verdient. Außerdem waren die Arbeitsbedingungen mit meinem Gesundheitszustand nicht vereinbar. Keine der Firmen konnte mir einen Job im HomeOffice anbieten. Und das obwohl ich immer wieder gehört hatte, dass gerade im IT Sektor die Menschen von zu Hause arbeiten. Wäre ich Programmierer oder Entwickler gewesen, dann vielleicht. Aber Supporter wollte jede Firma lieber vor Ort am Firmensitz beschäftigen.

Ich war mir sehr klar darüber, dass ich zukünftig nur noch kreativ arbeiten wollte, was meinem Wesen zu hundert Prozent entspricht. Trotz etlicher Widrigkeiten und dank genauso vieler Zufälle, durfte ich mit einem Mal den Beruf des Mediengestalters, unter exakt den Bedingungen erlernen, die ich erfüllen konnte. Die Umstände wurden perfekt an meine Bedürfnisse angepasst. Es grenzt an ein Wunder. Jeder, der an dem Prozess beteiligt war, schüttelt immer noch den Kopf.

Hätte ich allerdings nicht an die Möglichkeit geglaubt und vertraut, dass es genau so kommen kann, wie ich es brauche, dann hätte ich mich weiterhin auf Stellen meines alten Jobs beworben. Wahrscheinlich hätte ich aus der Not heraus, dass mein Arbeitslosengeld bald ausläuft, eine unterbezahlte Stelle angenommen, die noch mehr Stress mit sich brächte, als meine alte. Solch eine Stelle wurde mir nämlich wirklich angeboten. Dann wäre ich bald danach – laut den Analysen meines Psychotherapeuten zu jener Zeit  – aus psychischen Gründen arbeitsunfähig geschrieben und vielleicht mit Mitte bis Ende vierzig bereits verrentet worden. Also haben meine Handlungen dem Universum gezeigt, dass ich wirklich diese Ausbildung machen möchte. Danach hat sich für mich beinahe automatisch alles von selbst gefügt. Vor allem musste ich gar nicht viel tun, sondern eher viel unterlassen. Ich durfte immer wieder prüfen, ob die neuen Angebote wirklich mir und meiner Seele entsprachen.

Auch in der Mitte meiner Ausbildung, als ich gesundheitlich wieder besser dastand, meldeten sich Firmen aus meinem alten Job, die mich per sofort einstellen würden, zu einem Gehalt, das ich mir vor eineinhalb Jahren vorgestellt habe. Ich hätte sogar ohne Probleme Vollzeit im HomeOffice arbeiten können. Zwischenzeitlich war mir jedoch durch die Ausbildung klarer als je zuvor geworden, dass (Web-)Design mir viel mehr lag. Hier bin ich talentiert und kann alle meine bisher erworbenen Fähigkeiten voll einbringen.

Der nächste Punkt: Sei vorsichtig, was du dir wünscht, es könnte in Erfüllung gehen. Das habe ich auch oft erfahren. Sobald ich einen Wunsch zu genau formuliert oder mir ausgemalt hatte, bekam ich auf den Buchstaben genau das erfüllt, was ich mir gewünscht hatte. Mein Gehirn ist in seiner Leistungsfähigkeit jedoch begrenzt. Also fehlten immerzu Faktoren, die zur Erfüllung des Wunsches in meinem Sinne und nach meinen Bedürfnissen unverzichtbar waren. Mir wurde jedes Mal schnell bewusst, dass der Wunsch in dieser Art nicht mir entsprach. Es war ein bisschen so wie in den Geschichten mit den Dschinns, guten Feen oder den Pakten mit dem Teufel: Ich kann einfach gar nicht alles berücksichtigen, damit der Wunsch auch perfekt zu mir passt. Ich wünsche mir eine*n wunderschöne*n Partner*in und ein spektakuläres Sexualleben? Ich bekomme wahrscheinlich genau das, stelle jedoch fest, dass der*die Partner*in überhaupt nicht liebevoll mit mir umgeht, meine Bedürfnisse nicht sieht und nur auf sich fixiert ist. Wir streiten außerhalb des Bettes eigentlich nur und irgendwann stelle ich vielleicht fest, dass mein*e Partner*in mich zudem noch betrügt.

Oder ich will einen besser bezahlten Job mit tollen Kolleg*innen und einem*r verständnisvollen Chef*in? Ich bekomme wahrscheinlich genau diesen Job, stelle dann aber fest, dass ich eigentlich die Aufgaben des Chefs mit erledige, da er nichts gebacken bekommt und sowieso am liebsten seine Zeit auf dem Golfplatz verbringt. Außerdem sind die Kolleg*Innen echt super und wir geben ein prima Team ab. Doch sie haben allesamt ständig Ausreden, warum sie nur genau acht Stunden arbeiten können. Um die Stimmung nicht zu verschlechtern, arbeite ich 65 Stunden pro Woche, damit die Arbeit überhaupt getan wird.

Ich habe tatsächlich Ähnliches erlebt. Bei kleineren Wünschen habe ich mir ellenlange Listen zu jedem Wunsch angefertigt. Jedes Mal war ich überzeugt davon, alles bedacht zu haben. Jedes Mal hatte ich mich geirrt. Es ist einfach nicht möglich, alle Ungewissheiten und Variablen des Lebens zu bedenken.