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Die Comics gibt es nur in der Taschenbuchausgabe

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4.2 Früher war besser

Lesedauer: 5 Minuten

Dass wir die Vergangenheit nicht ändern und nur die Zukunft gestalten können, ist ein alter Hut. Das sollte dir klar sein. Deswegen bringt es nichts, Vergangenem und Geschehenem hinterher zu trauern oder viele Gedanken und Gefühle daran zu verschwenden. Versteh dies bitte richtig. Natürlich dürfen alle Gedanken gedacht und alle Gefühle gefühlt werden. Das ist ein wichtiger Teil des Verarbeitungsprozesses, der jedoch immer nur im Hier-und-Jetzt stattfinden kann. Lediglich das Festhalten und stetige neue Durchleben vergangener Ereignisse ist nicht förderlich. Es weist darauf hin, dass entweder ein vergangenes Ereignis nicht bis zum Schluss (dem Loslassen) verarbeitet wurde oder dass du mit deiner jetzigen Situation nicht im Frieden bist. Letzteres bedeutet wiederum, dass du dich mit deinem Leben im Hier-und-Jetzt nicht aktiv auseinandersetzt und lieber in der Vergangenheit lebst, wo du nichts mehr ändern kannst, es aber gerne willst, damit sich deine Gegenwart ohne dein Zutun verbessert.

Die Vergangenheit ist primär dazu da, um uns die Verarbeitung von allem zu ermöglichen, das im Hier-und-Jetzt geschieht. Ohne die Vergangenheit wäre das nicht so effektiv möglich. Du bist im aktuellen Moment einfach nicht in der Lage, gleichzeitig wahrzunehmen, zu bewerten, zu handeln und dazu noch den vollen Umfang aller Konsequenzen des Moments zu erfassen und zu verarbeiten. Die Gesamtheit all dessen, was im jetzigen Augenblick passiert, erschließt sich dir bestenfalls im Nachhinein. Da jede Aktion und Reaktion weitere Aktionen und Reaktionen hervorbringt, lassen sich diese Ketten nur im Verlauf der Zeit erkennen und bewerten. Kurz gesagt: Dir wird erst im Nachhinein präsentiert, was du in der Gegenwart getan hast. Dabei ist egal, ob es gut oder schlecht für dich ist.

Kaum eine Aktion oder Reaktion lässt sich sofort komplett nachvollziehen. Selbst die sehr bewusst lebenden Menschen tun Dinge, die ihnen zunächst nicht einleuchtend oder schlüssig erscheinen. Oft dauert es eine längere Zeit, bis dein Tun sich dir selbst erschließt und die für dich wichtigen Ergebnisse deines Handelns dich erreichen. Erst dann kannst du durchschauen und für dich heraus ziehen, was du brauchst.

Danach ist es äußerst wichtig, dass der Verlauf und die Ergebnisse deines Handelns abgespeichert werden. Im Leben begegnen dir die meisten Dinge mehrmals. Du durchlebst Situationen in verschiedenen Ausprägungen immer wieder. Manchmal bist du der Auslöser, manchmal der Absender (Agierende), manchmal der Empfänger (Reagierende) und manchmal nur Zuschauer. Mal bist du unbeteiligt, ein anderes Mal mitten drin und beim dritten Mal schaust du dir an, wie andere miteinander agieren.

Zuerst ist alles neu für dich und du besitzt keinerlei Daten als Bezugspunkt, also keine Erfahrungen in dem Bereich. Mit etwas Glück hast du in ähnlichen Fällen Erlebnisse gehabt, auf die du dich beziehen kannst. Beim zweiten Mal erinnerst du dich vielleicht ans erste Mal und wie es für dich ausgegangen ist. Beim dritten und jedem weiteren Mal sammelst du unterschiedliche Verläufe und Variationen von Handlungen und Ergebnissen. Während die Situation auftritt, ziehst du jeweils die Erinnerungen an die vorherigen Male zurate. Das geschieht bei den meisten Menschen automatisch oder eben unbewusst. Bei bewusst lebenden Menschen läuft alles genauso ab, nur dass sie während ihrer Handlungen und deren Ergebnisse voll im Hier-und-Jetzt sind. Sie wissen, was passiert und dass sie diese Situation schon häufig durchlaufen haben. Sie nehmen den Verlauf detailliert auf. Ihnen erschließen sich während der laufenden Situation verschiedene Möglichkeiten ihrer Handlungen und mögliche Folgen bewusst. Sie erleben alles in Klarheit, mit dem vollen Zugriff auf alle bisherigen, ähnlichen Ereignisse und ihre Folgen und zwar in dem Moment, in dem alles passiert.

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Sie bekommen einen Impuls, der nicht aus dem Verstand oder dem Gefühl stammt, und gehen diesem im Optimalfall nach. Selbst wenn der Sinn ihrer Handlung nicht sofort ersichtlich ist, ist ihnen bewusst, dass sie einem speziellen Impuls folgen und dass dies jetzt gerade wichtig ist.

Unbewusst lebende Menschen folgen meist den Impulsen des Verstands, also den Gedanken oder Gefühlen. Diese Verstandesimpulse überlagern die Seelenimpulse.

Das Geschrei des Gehirns ist bei ihnen so laut, dass sie die ungewohnten und leisen Seelenimpulse nicht wahrnehmen. Sie können nicht anders handeln, als es ihr Verstand gerade zulässt. Das schließt übrigens auch das viel zitierte Bauchgefühl und das Herzgefühl (den Ausdruck kenne ich vor allem aus der spirituell-esoterischen Szene) und auch die Intuition mit ein. Alle drei sind lediglich die Gefühle aus dem Verstand.

Das bewusste Sein ermöglicht es dir, deine Gedanken und Gefühle ruhig zu schalten. Du regelst den Lautstärkepegel für beides einfach mal herunter, um das leisere Signal der Seele hören zu können. Das tust du, indem du Gedanken und Gefühle einfach durchziehen lässt und sie nicht beachtest oder festhältst.

Das Signal sagt dir genau, was dir entspricht. So lange du nach diesem Signal handelst, können sich die Situationen so entfalten, dass sie zum Wohle aller geschehen. Dein Handeln ermöglicht zwar immer bestimmte Erlebnisse für dich und andere, doch die Erlebnisse, die aus den Seelenimpulsen heraus entstehen, besitzen eine ganz andere Intensität und Reichweite. Warum? Ganz einfach: weil sie nicht durch Vorstellungen, Erfahrungen, Emotionen oder Erwartungen eingeschränkt werden.

Das Handeln im Hier-und-Jetzt, wenn du in deinem vollen Bewusstsein bist, fühlt sich an, als befändest du dich in einem gigantischen, weiten Raum mit unendlich viel Platz für deine Handlungen. Die Zeit verlangsamt sich für dich. Du hast mehr Zeit dafür, um die Handlungen der anderen zu verstehen, um ihre wahre Natur zu sehen und die Bedürfnisse, die dahinter stehen. Dir erschließen sich automatisch mehrere Handlungsmöglichkeiten. Du weißt intuitiv, welche Ergebnisse die jeweiligen Handlungen bringen werden. Ich nehme noch einmal den Film Matrix als anschauliches Beispiel. Es ist wirklich so ähnlich. Die Bullet-Time (Kugelzeit), wie man diesen visuellen Effekt getauft hat, bildet das Gefühl ziemlich genau nach. Alles verlangsamt sich, du kannst die Situation von etlichen Perspektiven aus gleichzeitig sehen, nach Belieben herauszoomen und das große Ganze betrachten. Der bisherige Verlauf aller Worte und Handlungen erschließt sich wie der Weg der Kugeln, der erst jetzt sichtbar wird. Gleichzeitig kannst du sehen, wohin die Kugeln fliegen und was sie anrichten könnten. Nun kannst du dir die Zeit nehmen und den Verlauf jeder einzelnen Kugel verändern, so dass niemand zu Schaden kommt. Du hast meistens eine vage Ahnung, was deine Handlungen aus dem Seelenimpuls heraus nun ergeben werden. Dabei ist es jedoch auch wichtig zu wissen, wie die Kugeln sich in der realen Welt, also außerhalb der Bullet-Time verhalten.

Du brauchst die Erinnerung an deine Erlebnisse und Erfahrungen also als Grundlage für neue Erlebnisse. Natürlich auch um dich an geliebte Wesen zu erinnern, die nicht mehr Teil deines Lebens sind. Doch mehr Zeit in der Vergangenheit zu verbringen und verpassten Gelegenheiten nachzutrauern oder dir immer wieder vorzunehmen, nächstes Mal anders zu handeln, ist reine Energieverschwendung und Vergeudung deiner Lebenszeit. (Du könntest dir vielleicht noch einmal das Thema Mach es einfach durchlesen, falls du dich hier angesprochen fühlst.)