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Inhaltsverzeichnis

Die Comics gibt es nur in der Taschenbuchausgabe

   Inhalt

4.4 Später wird schöner

Lesedauer: 5 Minuten

Da wir nun aus der Vergangenheit zurück sind und von ihr gelernt haben, widmen wir uns dem, was auf uns zukommt.

Die Zukunft eröffnet uns ganze Universen voller Möglichkeiten. Und genau das ist das Problem dabei. All diese ungeahnten Möglichkeiten ziehen unsere Aufmerksamkeit in den Bann und nehmen sie voll in Beschlag.

Wir stellen uns vor, die Zukunft halte schillernde und glänzende Momente für uns bereit. Irgendwann wird unser Leben genau so sein, wie wir es uns vorstellen. Du hast wahrscheinlich ein genaues Bild oder eine Filmsequenz vor Augen, wie dein Leben aussehen sollte, damit es wirklich perfekt ist. Du siehst den perfekten Job, die perfekte Partnerschaft, die perfekten Kinder, die perfekten Haustiere, den perfekten Urlaub, das perfekte Haus, die perfekte Einrichtung, die perfekten Freundschaften und die perfekten Hobbys. Du verfügst über genügend Geld und Zeit, um all das Wahrheit werden zu lassen.

Was du dabei außen vor lässt, ist die Tatsache, dass sich dieses Bild oder diese Filmszene immer wieder verändert, je mehr Erfahrungen im Leben du sammelst. Je mehr du dich entwickelst, desto unwichtiger werden all die Dinge, die du früher für essenziell gehalten hast.

Als Kind wollte ich das perfekte Elternhaus, die perfekten Freund*innen und die perfekten Spielsachen. Allein in Sachen Spielzeug haben sich alle paar Monate die Wünsche und Träume geändert. Später wollte ich unbedingt ein schnelles, teures Auto und eine Villa mit großem Garten und Personal, das mir alles abnahm, wozu ich keine Lust hatte. Dann wollte ich irgendwann lieber ein Tinyhaus in einer Tinyhaussiedlung mit einem zentralen Gemeinschaftshaus, wo zusammen gekocht, gearbeitet und gelebt wird. Wenn ich allerdings keine Lust auf Gemeinschaft habe, kann ich immer noch in meinem Tinyhaus allein sein. Dazwischen gab es unzählige Varianten der Vorstellung, wie meine Zukunft mal werden soll. Ich hatte immer eine Vorstellung, wie meine perfekte Partnerin aussehen und sich verhalten sollte. Auch diese Vorstellung veränderte sich mit der Zeit und nach jeder Partnerin. An jeder Partnerin fand ich etwas Tolles aber auch Eigenschaften, denen ich auf keinen Fall wieder begegnen wollte. Mit Freundschaften verhielt es sich genauso. Alle meine Visionen für die Zukunft wandeln sich mit mir und entwickeln sich. Somit sind sie kein guter Ankerplatz, um dort zu verweilen.

Ein anderer Aspekt sind die negativen Zukunftsprognosen. Sobald wir mit unserer Angst konfrontiert werden – und das ist bei den meisten Menschen täglich der Fall – werden aus den perfekten Bildern und Filmen mit einem Mal Horrorszenarien. Besonders wenn die Zukunftsangst ins Spiel kommt, sieht die Zukunft mit einem Mal düster und grau aus. Weltuntergang, Zombieapokalypse, Diktaturstaaten und Terrorregimes sind nur einen Augenblick entfernt. Der persönliche Niedergang, Arbeitslosigkeit, hohe Verschuldung und Insolvenz, Ende der Partnerschaft, missratene Kinder, illoyale Freund*innen, das Leben unter der Brücke als Obdachloser und eine tödliche Krankheit liegen nur Tage in der Zukunft.

Noch besser als glückliche Zukünfte, kann unser Verstand die schlimmsten Horrorszenarien entwerfen. Das kann so schlimm werden, dass die Angst dich übermannt. Du wirst handlungsunfähig. Wenn du nur noch negative Gedanken über deine Zukunft wälzt, kann dich das dazu veranlassen, in der Realität des Augenblicks aufzugeben (zu resignieren). Von Außen gesehen ist dabei gar nichts Schlimmes geschehen. Du kannst durch deine reine Vorstellungskraft in einen depressiven Gedankenkreislauf gelangen, aus dem ein Entkommen mit jedem Tag schwieriger wird. Sobald du untätig wirst, deinen Antrieb verlierst, steuern alle anderen dein Leben. Du kommst dir wahrscheinlich vor, als wärst du in einem Sturm den reißenden Winden ausgeliefert, die dich hin und her schleudern, ganz ohne Ziel. Diese gefühlte Ohnmacht weckt noch mehr Ängste in dir und das führt zu einem nie endenden Kreislauf, den nur du ganz allein unterbrechen kannst. Sollte dies bereits der Fall sein, dann am Besten ganz schnell.

Taschenbuch und E-Book

findest du hier.

Jeder Moment, den du in der Zukunft verbringst, geht dir im Augenblick verloren. Du kannst in diesem Moment nichts tun und nicht handeln. Du bist nicht im Hier-und-Jetzt.

Es ist nicht schlimm oder verwerflich, von Zeit zu Zeit einmal in die Zukunft zu schauen. Vor allem, wenn du deinen Lebenskurs prüfen oder neu ausrichten möchtest. Das ist nur möglich, wenn du eine Vorstellung davon hast, wohin du möchtest und wie du sein willst.

Sobald du jedoch bemerkst – dir bewusst wird –, dass du dich ständig dort aufhältst und dich sogar in den Zukunftsträumen verlierst, kannst du gegensteuern. Wahrscheinlich verweilst du gerne in der Zukunft, weil dir die Gegenwart nicht gefällt. Du willst einen Umstand verändert haben, also dass er bereits jetzt anders ist.

Auf dieselbe Weise kannst du dich nur im Hier-und-Jetzt von Ängsten und Horrorszenarien lösen.

Atme wiederholt tief ein und aus. Konzentriere dich auf das, was du gerade tust und erlebst. Sei einfach im jetzigen Moment ganz präsent. Sobald du wieder abschweifst, wiederhole das Atmen und konzentriere dich erneut. Du kannst dir zum Beispiel vorstellen, dass du einen Gedankenanker auswirfst, der dich im Hier-und-Jetzt verankert. Nutze die Macht der Gedanken, wenn es um nicht stoffliche Dinge (ohne Masse und Gewicht) geht.

Mit dieser Technik kannst du jeden Gedankenkreis der Angst unterbrechen: Atmen, in den Augenblick zurückkehren und dann eine objektive Betrachtung der Tatsachen anstellen. Dabei kannst du dir am besten vorstellen, dass du einen Schritt zurücktrittst und das Gesamtbild betrachtest. Wie ist die Lage jetzt gerade wirklich? Was hat sich in letzter Zeit verändert? Was kann ich aktiv tun, um die Situation zu verbessern? Wie kann ich meinen Ängsten begegnen, ohne dass sie mich gefangen nehmen und versklaven? Wen kann ich um Unterstützung bitten, um die Situation zu entschärfen, oder mit wem kann ich zumindest darüber reden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bereits das laute Aussprechen der Situationen und meiner zugehörigen Gedanken und Gefühle viel verändern kann. Manchmal steuern dann noch die Zuhörer ihre eigenen Ideen bei. Sie besitzen einen anderen Blickwinkel mit Abstand auf den reinen Sachverhalt. Oft eröffnet das alles eine Lösung oder vereinfacht die Situation. Es ist dann an dir, diese Ideen, Vorschläge und Blickwinkel anzunehmen und auszuprobieren.

Wichtig ist, einen neutralen Blick auf die Geschehnisse und Gedanken zu werfen oder von anderen werfen zu lassen. Sprich gerne auch mit mehreren Menschen und unabhängigen Profis über deine Misere und die damit verbundenen Ängste. Für Profis sind die in deiner Vorstellung unüberwindbaren Hürden manchmal einfaches Tagesgeschäft und gar kein Problem. Und mit Profis meine ich nicht nur Psychologen, Theraputen, Ärzte oder Coaches, sondern auch Schulden-, Investment-, Steuer-, Mieter-, Firmen-, Gründungs-, Familien-, Gesundheits- oder sonstige Berater. Oder frag einen Verkäufer, wenn du etwas verkaufen willst. Frag jemanden, der das, was dir auf der Seele brennt, was du als Problem empfindest, schon mehrfach erlebt und gelöst hat.

Sobald du dir vornimmst, etwas zu verändern, wirst du die richtigen Personen im Kopf haben oder sogar erst einmal treffen. Wie du neue Entwicklungen aktiv vorantreiben kannst, beschreibe ich im letzten Teil des Buchs.

Wichtig für dich ist zu verstehen, dass du in der Zukunft nichts verändern kannst und dass es deswegen wichtig ist, immer wieder ins Hier-und-Jetzt zurückzukehren.