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5.5 Liebe Deinen Körper, wie dich selbst

Lesedauer: 6 Minuten

Na endlich! Jetzt ist es soweit! Nun geht es endlich um den Körper. Alles andere ist ja so ungreifbar und so ätherisch! Körper rules!

Körper hat man halt.

Für die meisten Menschen, die ich kenne, ist ihr Körper etwas, das eben da ist. Du hast ihn bei deiner Geburt mitbekommen und musst nun halt schauen, wie du mit ihm klarkommst. Überleg mal kurz, ob es etwas gibt, was dich an ihm stört. Wetten, es braucht nicht mehr als einen Wimpernschlag, bis dir etwas einfällt? Um nichts wird so ein Rummel gemacht, wie um körperliche Angelegenheiten. Hygiene, Gesundheit, Verschönerung, Nahrungszufuhr, Fitness, Wachstum, Veränderung, Verfall, Pflege, Bedürfnisse und viele andere Themen rund um deinen Körper bestimmen den Alltag und treiben ganze Wirtschaftszweige an. Seit wir kaum mehr existenzielle Probleme kennen, können wir uns ganz dem Körperkult widmen. Er muss schön anzusehen und sollte möglichst unversehrt sein, nicht zu dick, nicht zu dünn. Er hält als Lockmittel für Partnerschaften her und muss deswegen einem bestimmten Ideal entsprechen. Es existieren jede Menge Ideale.

Bei nichts anderem fühlen wir denselben Drang, etwas zu verändern. Die Nase ist schief, die Augen nicht groß genug, die Haare glänzen nicht oder besitzen die falsche Farbe für den Persönlichkeitstyp, den man nach außen repräsentieren will. Die Haut ist nicht weich und makellos genug, der Bauch muss straff sein, Brüste muskulös oder groß genug, Arme und Beine wollen ausdefiniert werden. Es muss Körperschmuck her, der manchmal Flugreisen verhindert oder den Träger in ein lebendes Gemälde verwandelt.

Unser Körper sorgt oft für das größte schlechte Gewissen, denn die Auswirkungen von Vernachlässigung werden schnell sichtbar und lassen sich nicht immer durch Kleidung kaschieren. Hier kommt das nächste Stichwort. Der Körper will stilgerecht verhüllt oder präsentiert werden, je nach Vorliebe.

Selten habe ich Menschen getroffen, die mit ihm vollkommen zufrieden sind. Meist lautet die Antwort zunächst: »Ja klar bin ich mit meinem Körper zufrieden!« Doch dann folgt fast immer ein: »Obwohl ich dies und jenes gerne hätte und auf das nun wirklich verzichten könnte.«

Der Körper meldet sich relativ schnell, wenn wir ihn falsch behandeln. Manche Menschen unterdrücken diese Signale trotzdem Jahrzehnte, andere widmen sich ganz und gar dem Beobachten der Symptome.

Krankheiten werden schnell als böse und unerwünscht abgetan und müssen so schnell wie möglich geheilt werden, denn sie könnten lebensgefährlich werden.

Kaum ein Industriezweig ist so schnelllebig, wie die Nahrungsmittelindustrie, in der jedes Jahr Modetrends ausgerufen und viele Zutaten im Wechsel als gesund oder schädlich eingestuft werden. Allein Nahrungsergänzungsmittel, deren Wirksamkeit nicht einmal bei jedem Produkt belegt ist, stellen in den westlichen Ländern ein Riesengeschäft dar. Hier werden stetig neue Erkenntnisse kommuniziert und nirgends widersprechen sich die Studien und Belege so sehr.

Wir besitzen alle einen Verstand, und doch denken die meisten Menschen oft nicht über ihre Gedanken nach. Wir besitzen alle eine Seele, doch glauben viele nicht an sie oder kümmern sich um ihre Seelen- und Herzensangelegenheiten. Beides ist für die meisten Menschen zu abstrakt, zu wenig greifbar, zu unsichtbar.

Der Körper hingegen wird uns schon morgens im Spiegel unter die Nase gerieben. Oder sogar noch im Bett, wenn die Blase drückt.

Viele Menschen lassen sich komplett von ihrem Körper leiten oder gar beherrschen. Die körperlichen Nöte, Bedürfnisse, Süchte, Impulse füllen ihren ganzen Tagesablauf aus. Die körperliche Entwicklung nimmt einen sehr großen zeitlichen Raum bei ihnen ein.

Und doch sind wir mit unserem Körper nicht vollends zufrieden.

Dabei ist er es, der uns unser ganzes Leben lang durch die Welt trägt. Ganz abgesehen davon, dass er uns mit dem Hier-und-Jetzt verbindet und in Zeit und Raum verankert, erträgt er vieles, das wir mit ihm veranstalten ganz klaglos.

Deswegen ist es von äußerster Wichtigkeit, ihn nicht nur zu versorgen und am Leben zu halten, sondern ihn zu lieben.

Liebe deinen Körper, wie dich selbst.

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Er heilt die meisten Wunden, setzt gebrochene Knochen wieder zusammen, verbindet sogar abgetrennte Nervenenden wieder miteinander. Das habe ich alles selbst erlebt. Mein extrem komplizierter Handgelenkbruch hat all das vereint und meine Hand funktioniert immer noch einwandfrei. Der Handchirurg meinte, er müsse sie eventuell nach der ersten OP und Rehabilitationsmaßnahme eventuell noch stillegen, damit keine weiteren Schäden auftreten. Mein Körper hat eine offene Wunde, zwei komplexe Splitterbrüche und zwei gerissene Nervenstränge innerhalb eines Jahres wiederhergestellt. Er hat jahrzehntelange Völlerei, Rauchen, die Alkoholexzesse der frühen Zwanziger, sportliche Extremleistungen zwischendurch, Gewichtsschwankungen von bis zu 50 Kg und vieles mehr bisher fast klaglos weggesteckt. Er hat eine Sarkoidose besiegt, lebt mit Diabetes und neurologischen Herausforderungen und benötigt dabei natürlich meine Unterstützung und Pflege. Ich sitze viel vor Bildschirmen, um meiner Arbeit, meinen Hobbys und meinen Entspannungsphasen nachzugehen, und doch habe ich kaum einmal Rückenschmerzen. Selbst meine Augen haben sich in den letzten 25 Jahren nicht ein bisschen verschlechtert.

Er ist weitab von einer idealen Perfektion. Doch ich akzeptiere ihn vollumfänglich und liebe ihn einfach so, wie er ist, weil er mein treuester Begleiter ist.

Mittlerweile achte ich sehr gut auf ihn und versuche ihn optimal zu unterstützen. Ich gehe allerdings auch damit entspannt und nach der Devise »mach es einfach, lass es sein« um. Nicht zu viel, nicht zu wenig, ohne Krampf, muss und soll.

Ich richte mich ganz nach meiner Tagesform und zwinge ihn nicht zu Dingen, die er nicht leisten kann. Das habe ich durch meine lange Krankheitsphase mit vielen Schwächetagen gelernt.

Hier kommen wir dann auch auf die positiven Aspekte von Krankheiten. Durch sie habe ich gelernt, mehr auf meinen Körper zu hören und ihn zu achten und zu lieben. Wäre ich nicht ab und an krank geworden, wer weiß, wie sehr ich ihn noch missachtet hätte. Wahrscheinlich würde ich noch rauchen, trinken, ihn unterdrücken und mehr auf meinen Verstand und die Ablenkungen achten, die das Leben mir allenthalben vor die Nase stellt, als auf ihn.

Körperkrankheiten haben mich gelehrt, dass meine Zeit in dieser Welt nicht unendlich andauert. Ich habe gelernt, dass er die Notbremse zieht, wenn ich ihn überfordere, und lasse es erst gar nicht mehr so weit kommen. Ich ernähre mich ausreichend gesund, treibe ein wenig Sport und bewege mich sowieso gerne. Ich reinige und pflege ihn soweit nötig. Dabei achte ich jedoch genauso darauf, dass ich nichts davon übertreibe.

Oft ist mir gerade bei alternativ lebenden Menschen und Sportlern ein echter Fanatismus begegnet, was die Körperbedürfnisse betrifft. Da wird alle industriell verarbeitete Nahrung verteufelt, aus ständig wechselnden seltsamen Überzeugungen Nahrungsmittel gemieden oder fast religiös angebetet. Die eigenen Ansichten werden dogmatisch heruntergebetet, egal ob andere sie hören wollen oder nicht. Wer anderer Meinung ist, wird heruntergemacht und als falsch hingestellt.

Anders herum gibt es auch Menschen, die alternativen Ernährungsformen nicht nur skeptisch, sondern sogar aktiv diskriminierend entgegenstehen und sich Witze über Vegetarier, Veganer oder andere Ernährungsformen nicht verkneifen können, um ihren eigenen Nahrungsstil zu verteidigen.

Die psychologischen Hintergründe hierbei sind ganz einfach: Ich bin richtig und du bist falsch und ich untermauere meine Argumente mit möglichst viel Druck. Und irgendwann wirst du schon sehen, dass ich Recht habe. Dein Körper wird es dir zeigen.

Ich kenne Menschen, die seit Langem auf ihre Gesundheit achten und trotzdem schlimme Krankheiten bekamen: Nichtraucher mit Lungenkrebs, bewusste Esser mit Magenproblemen, Sportler mit frühen Abnutzungserscheinungen ihrer Gelenke, Abstinenzler mit Leberschäden, Nahrungsergänzungsfanatiker mit Mangelkrankheiten. Anders herum war ich selbst als dicker Mann fitter, als viele Normalgewichtige, da ich nur per Fahrrad und zu Fuß unterwegs bin. In manchen Jahren bin ich mehrere tausend Kilometer geradelt. Mein Hausarzt war beim Check-up jedes Mal über mein Lungenvolumen, die hervorragende Blutwerte und meine Ausdauerleistung erstaunt. Dabei wog ich 120kg bei 183 cm Körpergröße.

Eine Kollegin hat sich seit ihrem zwanzigsten Lebensjahr mit gesunder Ernährung beschäftigt, sich alles Ungesunde versagt, war meist unzufrieden und schlecht gelaunt und ist kurz vor dem Renteneintritt verstorben.

Das eigentliche Ziel allen Körperkults: ewige Jugend und Schönheit.

Ein Paradoxon in sich, denn der körperliche Verfall ist unaufhaltsam in unsere Gene programmiert. Nirgends in der Natur besteht irgendetwas für die Ewigkeit. Der Verfall lässt die äußerliche Schönheit vergehen. Das ist auch gut so, denn so müssen sich auch die Menschen, die komplett auf ihr Äußeres fixiert sind, irgendwann einmal mit ihren inneren Werten und der inneren Schönheit beschäftigen. Vielleicht entdecken sie, dass dort keine Leere herrscht, wie sie immer vermutet hatten.

Das ist ein wichtiger Schritt im Entwicklungsprozess und eine ganz eigene Erlebniswelt.

Wir immer ist es ganz einfach: Ich esse und trinke, was mir guttut und meinen Körper unterstützt. Ich bewege mich, wenn ich den Drang dazu verspüre, und zwar im Rahmen meiner Kraft und Ausdauer. Ich zwinge ihn nicht zu Höchstleistungen.

Ich akzeptiere und integriere meine für mich ungesunden Bedürfnisse, denn sie zu unterdrücken baut auf Dauer nur mehr Druck auf. Für alles gibt es einen Zeitpunkt. Ich bin also ganz entspannt damit. Ich akzeptiere meinen Körper nicht nur, wie er ist, sondern liebe ihn genauso. Das strahle ich auch nach außen aus. Viele Menschen finden genau das attraktiv. Jedenfalls finde ich es bei anderen Menschen anziehend. Ich merke sofort, wenn ein Mensch mit sich selbst und seinem Körper in Frieden lebt. Und zu diesem Frieden gehört für mich auch die bedingungslose Liebe zu meinem Körper. Ich liebe seine Form, denn sie ist einzigartig auf der gesamten Welt. Ich liebe seine Robustheit und den gleichzeitig filigranen Aufbau. Ich liebe mein Selbstheilungs- und Immunsystem. Ich liebe alles, was ich durch ihn tun und erleben darf. Ich liebe ihn so sehr es nur möglich ist.