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6.2 Free will forever

Lesedauer: 9 Minuten

Ist unser Wille wirklich frei, oder siegt die Vorherbestimmung?

Diese Frage stellen sich Philosophen, Theologen, Wissenschaftler, Spirituelle und wahrscheinlich auch sehr viele andere Menschen.

Die Frage setzt bereits voraus, dass nur eine der beiden Möglichkeiten richtig sein kann. Oder doch nicht? Wie könnten beide Möglichkeiten gleichzeitig der Wahrheit entsprechen? Ist es möglich, dass wir im Rahmen einer Vorherbestimmung mit freiem Willen handeln können? Wie bei einigen Gesetzen, wo der Beamte oder Richter innerhalb eines bestimmten Rahmens auch noch einen Handlungsspielraum hat? Oder kann der freie Wille zu einer vorherbestimmten Zukunft führen?

Ich habe da einen ganz anderen Ansatz, den ich hier einmal vorstellen will, um den Gesamtzusammenhang der Seele, wie ich sie verstehe, noch etwas zu verdeutlichen.

Ich gehe davon aus, dass nur eine Seele existiert. Alles ist Energie und ich nenne diese Energie einfach Seele. Energie ist untrennbar und unteilbar und kann nicht verbraucht werden, sondern nur umgewandelt. Energie kann verschiedene Formen annehmen und entweder als Körper oder in Form von Wellen und einzelnen Teilchen auftreten. Alle Körper bestehen aus Energie, die sich stellenweise verdichtet hat und Elementarteilchen wie Quarks bildet. Die Teilchen setzen sich zu immer größer werdenden Partikeln zusammen, so ähnlich wie Legosteine, die man aufeinander stapelt. Sie werden zu Atomen, Molekülen, Molekülketten, Rohstoffen, und verarbeiteten Materialien.

Wenn nun alles aus derselben Energie besteht, dann kann es auch nur eine Seele geben. Diese Seele existiert schon immer und wird auch für immer existieren. Sie nimmt im Laufe der Zeit verschiedene Formen an.

Zeit ist etwas, das materielle Körper benötigen, um entstehen, existieren und zerfallen zu können. Sie benötigen die Zeit und eine Position im materiellen Raum, um ein Dasein führen zu können. Die Seele als Energie benötigt so etwas wie Zeit oder Raum nicht. Für sie geschieht immer alles überall und gleichzeitig.

Stell dir vor, du würdest alle Namen von jedem Lichtstrahl, Sandkorn, Wassertropfen, jeder Pflanze, jedem Tier und Menschen und allem anderen, das je existiert hat und je existieren wird hintereinander aufsagen. Außerhalb von Raum und Zeit ist dies sofort geschehen, denn du kannst alle Namen gleichzeitig aussprechen. Innerhalb der Zeit brauchst du dafür eine Ewigkeit, also genauso lange, wie alles existiert.

Nun wird es etwas knifflig. Du lebst ganz normal dein Leben, wie wir alle es tun. Du hast Ideen, sprichst darüber und manchmal handelst du danach, dass diese Ideen auch Wirklichkeit werden. Natürlich bekommst du nur diesen Ausschnitt des Lebens mit, also von der Idee über die Handlung zum Ergebnis. Die Alternativen erlebst du in diesem Moment nicht. Für dich stellt sich diese Kette wie ein absoluter Fakt dar. »Wenn ich dieses denke, jenes spreche und auf diese Art handle, dann erhalte ich genau das eine Ergebnis.« Oft passiert das sogar mehrfach in deinem Leben, wenn du unter denselben Umständen gleich handelst. Du denkst zum Beispiel, du möchtest heute Brot und Kuchen backen. Also kaufst du entsprechend ein und bereitest den Kuchen und das Brot zu. Da du deiner Familie davon erzählt hast, kommen sie nachmittags vorbei und ihr trinkt zusammen Kaffee und esst Kuchen. Zum Abendbrot gibt es dann frisches Brot mit Belag. Das tust du immer wieder und immer wieder läuft der Tag sehr ähnlich ab. Was du an diesem Tag hättest erleben können, kannst du dir nur in deinen Gedanken ausmalen, denn durch deine Handlungen hast du deinen Tag gestaltet. Wärst du an dem Tag ins Schwimmbad gefahren und hättest dort Freund*innen getroffen, mit denen du im Anschluss noch Eis essen und ins Kino gegangen wärst, dann wäre es ein ganz anderer Tag geworden. Der Unterschied läge nur darin, welchen Gedanken du durch Handlungen zur Realität gemacht hättest. Dieser zweite Tag bestand aber nur als Überlegung und Möglichkeit in deinem Kopf. Du wirst nie sicher wissen können, wie er verlaufen wäre.

Das fühlt sich für viele Menschen wie Vorherbestimmung an. Doch in Wirklichkeit ist es so, dass du eine Entscheidung getroffen hast und diese dann bestimmte Auswirkungen hatte. Hättest du anders entschieden, wäre alles anders geworden. Das ist wie bei einem Wanderweg mit zwei Abzweigungen. Je nachdem, welche Abzweigung du nimmst, erlebst du andere Dinge zu dieser Zeit.

Warum mir das so wichtig ist, dir diesen Umstand klar zu machen? Viele Menschen »leiden« an so genanntem Fatalismus, das ist eine Haltung, bei der alles, das geschieht als Schicksal hingenommen und als unabänderlich vorgesehen betrachtet wird. Diese Ansicht macht dich handlungsunfähig. Du treibst nur durch dein Leben und denkst: »Ach, es wird schon alles so geschehen, wie es soll. Und ich komme schon irgendwie mit den Folgen klar, auch wenn es weh tut.« Du überlässt die Entscheidungen in deinem Leben einer angeblich höheren Macht, die dein Leben für dich steuert. Egal ob du sie Gott, Schicksal oder Hans Wurst nennst. Du wirst »geführt«. In Wirklichkeit überlässt du dein Leben der Führung aller Menschen um dich herum, denn sie entscheiden dann an deiner statt mit Ihren Handlungen, was du erlebst. Sie stecken dir mindestens den Raum ab, in dem du handeln kannst oder greifen sogar aktiv in dein Leben ein, indem sie Forderungen an dich stellen. Diese Forderungen erfüllst du allesamt, da sie ja »von einem höheren Wesen« geführt sind. Und das ist fatal. Genau deswegen heißt diese Einstellung Fatalismus. Ist es wirklich dein Ziel, ferngesteuert durchs Leben zu gehen?

Weil wir nur eine Möglichkeit und ihr Ergebnis gleichzeitig erleben, sieht es so aus, als ob alles von Anfang an feststeht. Ich werde dir nun eine andere Möglichkeit vorschlagen. Sie besteht aus der Sicht einer einzigen Seele, die außerhalb von Raum und Zeit existiert.

Stell dir vor – und ich weiß, dass das schwierig ist, aber versuch es, so gut du kannst – dass du alles bist, was im Universum existierst, und zwar gleichzeitig. Du erlebst alles gleichzeitig und hast alle Mittel sofort zur Verfügung. Das nennen Religionen Allmacht. Dir ist nichts unmöglich  und du kannst alles tun und erreichen, was du willst.

Nun begibst du dich in ein Leben und unterwirfst dich Raum und Zeit, Entwicklung und Degeneration. Dabei vergisst du, dass du die eine Seele bist, die alles erleben möchte. Das ist wichtig, um immer wieder neue Erfahrungen erleben zu können.

Du machst dir irgendwann Gedanken, sprichst über sie und handelst nach ihnen. (Das Sprechen ist nicht unbedingt notwendig, das Handeln schon.) Nun erlebst du eine Reihe von Ereignissen. Die Seele weiß natürlich von deiner Entscheidung und nimmt sie in dem Moment als real wahr, in dem du handelst. Da sie außerhalb der Zeit existiert, weiß sie ja schon vor dem Anbeginn des Universums, während des Bestehens des Universums und auch nachdem das Universum aufgehört hat zu existieren, über diese Handlung Bescheid. Sie nutzt dieses Wissen, um all die Handlungen und Erlebnisse aller Liebewesen (also aller Versionen von sich selbst) zu verknüpfen, um das effektivste Erlebnis für alle zu gestalten. Dabei beachtet die Seele nicht, ob diese für jeden Einzelnen positiv sind, oder negativ. Die Seele will ja alles erleben in allen Varianten.

Also richtet sie es so ein, dass alle Backzutaten im Geschäft zu haben sind, dass du die Menschen antriffst, die du eben angetroffen hast. Auch den Nörgler an der Kasse und das Kind, das dir die Zunge herausstreckt und die Frau, die aus Versehen das Gurkenglas genau vor deinen Füßen fallen lässt. Dann verknüpft die Seele die Entscheidungen deiner Familienmitglieder hinzu, die sich die Zeit nehmen, sich bei dir einzufinden und den Tag mit dir zu verbringen. Und das alles steht seit dem Anbeginn der Zeit genau so fest, da die Seele alle deine Handlungen bereits kennt. Hättest du jedoch eine andere Entscheidung getroffen und wärst ins Schwimmbad gefahren, dann wüsste die Seele auch genau das schon vor dem Urknall – oder was auch immer zuerst war – und würde alles so einrichten, dass du deine Erlebnisse im Schwimmbad haben würdest. Das kleine Kind, das dich anlächelt, während es mit seinen Schwimmflügelchen im Wasser herum paddelt, die Mütter, die im Café sitzen und Neuigkeiten austauschen und der attraktive Mensch, der dir zuzwinkert – auch sie wurden durch ihre Entscheidungen hergeführt und erleben das, was sie erleben wollen.

Taschenbuch und E-Book

findest du hier.

Zu den Wertungen in Positiv und Negativ kommen wir gleich noch.

Kannst du dir vorstellen, dass jede Entscheidung, die du triffst seit Anbeginn der Zeit fest steht? Das ist wahrscheinlich nicht so schwer, da jeder von uns bestimmt schon als Kind mit dem Konzept des Schicksals bekannt gemacht wurde.

Kannst du dir nun vorstellen, dass bei jeder deiner Entscheidung die Seele (und mit ihr das ganze Universum) dafür sorgt, dass alle Erlebnisse zusammentreffen, die optimal zueinander passen? Wahrscheinlich auch, wenn du jemals an Gott oder ein intelligentes oder spirituelles Universum (im Sinne von Bestellungen beim Universum oder das Universum regelt das schon) geglaubt hast.

Kannst du dir nun auch noch vorstellen, dass du jederzeit eine andere Entscheidung treffen kannst und sich deswegen das ganze Universum verändert, die Begegnungen neu verknüpft und die Erlebnisse aller Liebewesen neu aufeinander abgestimmt werden? Das wird schon schwieriger. Aber genau so ist es. Du entscheidest und das gesamte Universum vom Anbeginn der Zeit an richtet sich nach genau dieser Entscheidung. Alle Menschen, Tiere, Pflanzen, Steine, Planeten, Monde, Satelliten, Wassertropfen und Sandkörner werden genau für diesen Zeitpunkt an ihren Platz gebracht. Und das ständig, denn du entscheidest ständig neu. Wobei der Moment, in dem du keine Entscheidung triffst, ebenfalls deine Entscheidung ist und dann eben von anderen gestaltet wird.

Das ist, was ich mir unter dem Fluss vorstelle, in dem sich stets alles befindet. Das Universum ist nicht das starre Gebilde, das seit Ewigkeiten besteht und auch noch Ewigkeiten bestehen wird, sondern ein System in stetigem Wandel und mit sekündlicher Veränderung auf allen Ebenen innerhalb und außerhalb der Zeit.

Warum ist mir so wichtig, dass du diese Möglichkeit vielleicht mal in deinem Verstand und Gefühl bewegst? Niemand kann bisher beweisen, dass es so ist. Niemand kann zur selben Zeit zwei unterschiedliche Entscheidungen treffen und dann die Ergebnisse festhalten und vergleichen. Vor allem nicht, was vom Beginn des Universums bis heute geschehen musste, um das zu ermöglichen. Also wozu ist dieser Gedanke dann gut?

Ich möchte, dass dir bewusst wird, dass jede deiner Entscheidungen wichtig ist. Sie verändert nicht nur dein Leben, sondern auch das Universum in seiner Gesamtheit.

Das bedeutet jetzt nicht, dass du mit deinen Handlungen für das gesamte Universum verantwortlich bist und deswegen in Schockstarre verfällst. Auch musst du nicht jedes Mal bewusst entscheiden, ob du dir noch einen Kaffee brühst oder einen Schluck Wasser trinkst, ob du Kartoffeln mit Bohnen oder lieber Pizza isst. Doch lohnt es sich, bei vielen Entscheidungen einmal die Zusammenhänge zu betrachten, den Verstand mit seinen Gedanken und Bauchgefühlen zu ignorieren und ein wenig genauer in dich hinein zu hören, was du denn nun wirklich willst und brauchst und natürlich auch, was zum Wohle aller gut sein könnte.

In einer Zeit, in der ich ziemlich zurückgezogen leben musste, um wieder gesund zu werden und mich nicht bei anderen mit Bakterien oder Viren anstecken durfte, begann ich dieses Buch zu schreiben. Teils weil ich durch das Schreiben auch selbst verarbeitete, teils um meine Erfahrungen allen zugänglich zu machen, die sich dafür interessieren oder denen meine Texte sogar helfen können. Ich habe für mein Buch über Hochsensibilität vielfache Rückmeldung bekommen, wie diese Texte den Lesern neue Blickwinkel und Handlungsspielräume eröffnet haben. Sie haben sie berührt. Einige Menschen fühlten sich zum ersten Mal voll und ganz verstanden und haben dies auch geäußert. Sie konnten ihr Leben und die Umstände verbessern, indem sie sich selbst besser verstanden und neu kennenlernten. Ich hoffe, dies auch mit diesem Buch erleben zu können. Für mich allein hätte ich mir die viele Arbeit, Stunden vor Tastatur und Bildschirm, zum Verfassen, Überarbeiten und der Korrektur der Texte sparen können und lieber spazieren und Eis essen oder bei einem leckeren Tee ein gutes Buch lesen können. (Was ich natürlich alles trotzdem auch getan habe.) Doch  bin ich meinen Seelenimpulsen gefolgt, um für alle dieses Buch zu verfassen. Das ist auch ein Beitrag zum Allgemeinwohl. So ein Beitrag muss nicht immer direkt an anderen Menschen oder Liebewesen stattfinden. Im Grunde genommen findet jede Handlung von allen stets zum Wohle aller statt, denn irgendjemand will immer genau das erleben, was aus einer deiner Handlungen entsteht.

Mir ist es auf jeden Fall besser ergangen und ich lebe leichter, seitdem ich bewusste Entscheidungen treffe. Der Vorteil solchen Bewusstseins liegt zudem in der Tatsache, dass unser limbisches System (das Belohnungszentrum) darauf ausgelegt ist, kurzfristige Freuden und Bedürfnisbefriedigung zu belohnen. Deswegen empfinden viele Menschen langfristige Ziele oder Vorgänge, die längere Zeit in Anspruch nehmen, als unbefriedigend und wenig erstrebenswert. Diesen langfristigen Vorgängen wohnt aber meist mehr Substanz inne. Es lohnt sich, sie zu verfolgen, um das zu erreichen, was dir wirklich entspricht. Genau dazu ist es unabdingbar, bewusst zu entscheiden und zu handeln. Verlässt du dich immer auf deine Gedanken und Gefühle, dann wirst du in den meisten Fällen die naheliegenden Ziele verfolgen und die fertig bereitliegende Tafel Schokolade oder Tüte Chips essen, dir einen Burger mit Pommes bestellen, statt dir ein gesundes Mahl zuzubereiten, das dich besser sättigt, weniger schädigt und dir sogar mehr Zufriedenheit mit dir selbst einbringt, weil du etwas selbst geschaffen hast. Du wirst den Unterschied bemerken zwischen dem Job, den du schnell bekommen kannst, um irgendwie ohne viel Zeitaufwand am Ende des Monats Geld im Portmonee zu haben und dem Job, der dich erfüllt, dir absolut liegt, für den du aber eine längere Ausbildungszeit in Kauf nehmen oder sogar zunächst unbezahlte Tätigkeiten verrichten musst. Schriftsteller und Künstler  wissen, wovon ich spreche. Du gibst deine Zeit und dein Herzblut in Projekte, von denen du nie weißt, ob sie sich nachher auch in Geld auszahlen. Dafür lebst du dein wirkliches Wesen und bist mit dir selbst im Frieden. Ein Leben, das zunächst Entbehrungen auf materieller Ebene mit sich bringt, dafür jedoch deine Bedürfnisse besser erfüllt, als ein geregelter Job, den du schnell bekommen kannst, erfordert immer eine bewusste Entscheidung.

Ist dir bewusst, dass wir alle eins sind und jede deiner Handlungen die Leben aller Liebewesen beeinflusst, fällt es dir schwerer, entgegen dem allgemeinen Wohl zu handeln und so genannte »Straftaten« zu vollbringen oder andere absichtlich mit Worten oder Handlungen zu verletzen. Bewusste Menschen haben das nicht nötig, denn sie können durch die für sie richtigen Handlungen jederzeit zum Wohle aller ihre Bedürfnisse decken. Bewusst handelnden Menschen sind auch ihre wirklichen Bedürfnisse stets klar. Sie müssen nicht unbedingt im Luxus leben oder viel Geld oder viele Besitztümer um sich scharen. Dies ist die typische Handlungsweise unbewusst lebender, ängstlicher Menschen. Jede Art des Hortens materieller Dinge spricht von der Angst, irgendwann nicht genug zu haben, um gut leben zu können. Natürlich wollen manche Menschen auch einfach einmal Luxus und Wohlstand erleben und es gehört zu ihrem Grundbedürfnis, dann erreichen sie diesen Zustand jedoch auch ohne andere zu schädigen oder zu verletzen. Sie bekommen Geld und Gegenstände freiwillig von anderen.

Ebenso verhält es sich auch mit immateriellen (also körperlosen) Dingen. Du wirst sie in jedem Fall mit Leichtigkeit und Handlungen zum Wohle aller erlangen könne. Sei es Freundschaft, Partnerschaften, Liebe und Wertschätzung, für nichts auf dieser Welt musst du kämpfen, für nichts musst du jemand anderen verletzen oder besiegen. Das müssen nur unbewusst lebende Menschen.